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Jira und GitLab integrieren – zwischen Standardlösung, Middleware und individueller API-Integration

  • Writer: Benjamin Dombrowsky
    Benjamin Dombrowsky
  • 19 hours ago
  • 4 min read

Jira und GitLab gehören heute in vielen Unternehmen zum Standardwerkzeugkasten moderner Softwareentwicklung.


Während Jira häufig für Anforderungsmanagement, Projektsteuerung, Support oder Serviceprozesse eingesetzt wird, dient GitLab vielen Entwicklungsteams als zentrale Plattform für Quellcodeverwaltung, DevOps-Prozesse und zunehmend auch für die Verwaltung von Entwicklungsaufgaben.


Früher oder später entsteht dabei fast zwangsläufig die Frage: Wie können Jira und GitLab miteinander integriert werden?


Die Antwort darauf ist allerdings weniger technisch als man zunächst vermuten würde.

Die eigentliche Frage lautet: Welche Informationen sollen ausgetauscht werden?


Wenn von einer Integration zwischen Jira und GitLab gesprochen wird, wird häufig zunächst über technische Möglichkeiten diskutiert.


Aus unserer Erfahrung ist es sinnvoll, zunächst die fachliche Perspektive einzunehmen.

Denn nicht jede Integrationsanforderung bedeutet automatisch, dass eine vollständige Synchronisation zwischen beiden Systemen notwendig oder sinnvoll ist.


Typische Anforderungen sind beispielsweise:

  • Statusinformationen aus der Entwicklung sollen in Jira sichtbar sein.

  • Fachbereiche möchten den Bearbeitungsstand eines GitLab-Issues nachvollziehen können.

  • Kommentare aus der Entwicklung sollen auch im Jira-Vorgang verfügbar sein.

  • Jira-Vorgänge sollen mit GitLab-Issues verknüpft werden.

  • Informationen sollen zwischen internen und externen Teams ausgetauscht werden.


Je nach Zielsetzung unterscheiden sich die möglichen Lösungsansätze erheblich.


Müssen Jira und GitLab überhaupt dieselben Vorgänge verwalten?

Eine interessante Beobachtung aus unseren Projekten:

Sowohl Jira als auch GitLab verfügen heute über umfangreiche Funktionen zur Verwaltung von Aufgaben, Anforderungen und Fehlern.


Aus rein fachlicher Sicht adressieren Jira-Vorgänge und GitLab-Issues daher häufig einen ähnlichen Anwendungsfall.


Daraus ergibt sich eine wichtige Überlegung:

Wenn Jira bereits als führendes System für die Vorgangsverwaltung etabliert ist, stellt sich die Frage, ob GitLab-Issues überhaupt zusätzlich benötigt werden.

Umgekehrt gilt dies ebenso.


Natürlich gibt es zahlreiche organisatorische Gründe, warum beide Systeme parallel genutzt werden:

  • Entwicklungsteams bevorzugen GitLab.

  • Fachbereiche arbeiten ausschließlich in Jira.

  • Externe Dienstleister nutzen andere Werkzeuge als der Auftraggeber.

  • Historisch gewachsene Prozesse haben zu einer Aufteilung der Arbeitsweisen geführt.


Diese Konstellationen sind vollkommen legitim und in der Praxis häufig anzutreffen.

Dennoch lohnt es sich, vor einer technischen Integration zu prüfen, ob tatsächlich eine Synchronisation von Vorgängen erforderlich ist oder ob eine Verlinkung beziehungsweise die Übertragung einzelner Informationen bereits ausreichend wäre.




Der einfachste Ansatz: Ein führendes System

Aus technischer Sicht ist ein einzelnes führendes System nahezu immer die einfachste und robusteste Lösung.


In vielen Organisationen ist Jira bereits die zentrale Plattform für:

  • Anforderungen

  • Aufgaben

  • Bugs

  • Serviceprozesse

  • Projektsteuerung


Moderne Entwicklungsprozesse lassen sich problemlos mit Jira und GitLab kombinieren, ohne dass zusätzlich GitLab-Issues verwendet werden müssen.


Gleichzeitig gibt es Organisationen, die GitLab bewusst als zentrales Arbeitswerkzeug der Entwicklung etabliert haben und den Entwicklern keine zusätzliche Plattform zumuten möchten.

In solchen Fällen entsteht häufig der Wunsch nach einer Integration.


Welche Integrationsansätze gibt es?

Grundsätzlich lassen sich drei Ansätze unterscheiden.


1. Standardintegrationen

Jira und GitLab bieten bereits verschiedene Integrationsmöglichkeiten.


Diese konzentrieren sich häufig auf:

  • Commits

  • Branches

  • Merge Requests

  • Pipelines

  • Deployments


Für viele Entwicklungsprozesse reicht dies bereits aus.


Sobald jedoch GitLab-Issues und Jira-Vorgänge miteinander synchronisiert werden sollen, stoßen Standardintegrationen häufig an ihre Grenzen.


2. Integrations- und Synchronisationsplattformen

Am Markt existieren verschiedene spezialisierte Lösungen.


Diese Plattformen fungieren als Vermittler zwischen beiden Systemen.

Vereinfacht dargestellt:

Jira
 ↕
Integrationsplattform
 ↕
GitLab

Der Vorteil liegt in einer bereits etablierten Infrastruktur für:

  • Feld-Mappings

  • Konfliktbehandlung

  • Fehlerhandling

  • Monitoring

  • Synchronisation


Dafür entstehen zusätzliche Lizenz- und Betriebskosten.


3. Individuelle Integration über APIs und Webhooks

Der dritte Ansatz besteht darin, die vorhandenen Schnittstellen beider Systeme direkt zu nutzen.

Sowohl Jira als auch GitLab stellen umfangreiche REST-APIs sowie Webhook-Mechanismen zur Verfügung.



Dadurch lassen sich individuelle Integrationsszenarien vergleichsweise flexibel umsetzen.


Ein möglicher API-basierter Lösungsansatz

Wenn bewusst auf zusätzliche Middleware verzichtet werden soll, kann eine Integration direkt über Jira Automation, GitLab Webhooks und die jeweiligen APIs erfolgen.


Ein möglicher Aufbau könnte wie folgt aussehen:


Jira erstellt GitLab-Issues

Über Jira Automation wird beim Erstellen oder Bearbeiten eines Vorgangs die GitLab API aufgerufen.

Dabei wird automatisch ein GitLab-Issue erzeugt.


Um die Zuordnung zwischen beiden Systemen sicherzustellen, kann der Jira-Key direkt im GitLab-Titel hinterlegt werden.


Beispiel:

[S1-237] Fehler im Bestellprozess

Zusätzlich können Referenzen und URLs gespeichert werden.


GitLab informiert Jira über Änderungen

GitLab stellt unter anderem Work Item Events und Kommentar-Events bereit.


Die Idee ist nun, dass bei Änderungen GitLab automatisch über einen Webhook die Informationen an eine Jira-Automation übergibt.


Die Automation verarbeitet anschließend:

  • Statusänderungen

  • Kommentare

  • Links

  • weitere Metadaten

und aktualisiert den entsprechenden Jira-Vorgang.


Der grundsätzliche Datenfluss könnte dabei so aussehen:

Jira
   ↓
GitLab API
   ↓
GitLab Issue


GitLab
   ↓
Webhook
   ↓
Jira Automation
   ↓
Jira Vorgang

Die technische Machbarkeit eines solchen Ansatzes lässt sich vergleichsweise schnell nachweisen.


Warum Integrationen häufig komplexer werden als erwartet

Genau an dieser Stelle beginnt jedoch die eigentliche Herausforderung.

Aus unserer Erfahrung gehören Integrations- und Synchronisierungsprojekte zu den Themen, die auf den ersten Blick deutlich einfacher wirken als sie sich später im Betrieb darstellen.


Einen ersten Prototypen aufzubauen, einen Webhook zu empfangen oder Informationen über eine API auszutauschen, ist heute meist problemlos möglich.

Die langfristige Stabilität einer solchen Lösung ist jedoch ein anderes Thema.


Fragen, die früher oder später beantwortet werden müssen:

  • Welches System ist führend?

  • Wie werden Konflikte behandelt?

  • Was passiert bei fehlgeschlagenen Synchronisationen?

  • Wie werden Änderungen nachvollziehbar dokumentiert?

  • Wie werden Berechtigungen und Sicherheitsanforderungen berücksichtigt?

  • Wie werden Prozessänderungen auf beiden Seiten berücksichtigt?

  • Wie werden Dubletten oder Synchronisationsschleifen vermieden?


Selbst wenn nur wenige Informationen übertragen werden oder die Kommunikation ausschließlich in eine Richtung erfolgt, entstehen technische und organisatorische Abhängigkeiten zwischen beiden Plattformen.


Die technische Umsetzung ist dabei häufig der kleinere Teil des Projekts.

Der größere Aufwand entsteht langfristig durch Betrieb, Wartung, Monitoring und Weiterentwicklung.


Fazit

Die Integration zwischen Jira und GitLab ist technisch grundsätzlich möglich.

Ob eine Synchronisation jedoch tatsächlich erforderlich ist und welcher Integrationsansatz der richtige ist, hängt stark vom jeweiligen Anwendungsfall ab.


Aus unserer Sicht empfiehlt es sich, die Optionen in folgender Reihenfolge zu bewerten:

  1. Kann ein System als führendes System etabliert werden?

  2. Reicht eine Verlinkung oder die Übertragung einzelner Informationen aus?

  3. Existiert bereits eine geeignete Standard- oder Middleware-Lösung?

  4. Erst danach sollte eine individuelle API-basierte Integration betrachtet werden.


Gerade die letzte Variante bietet maximale Flexibilität, bringt jedoch auch die höchste Verantwortung hinsichtlich Wartbarkeit, Sicherheit und langfristigem Betrieb mit sich.


Wie bei vielen Integrationsprojekten gilt daher auch hier:

Nicht die technische Umsetzung entscheidet über den Erfolg, sondern die Klarheit darüber, welche Informationen tatsächlich ausgetauscht werden sollen und welchen Mehrwert die Integration langfristig schaffen soll.

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