Prozesshaus in Jira und Confluence aufbauen: Geschäftsprozesse strukturiert dokumentieren, steuern und verbessern
- Sandra Dombrowsky

- Feb 18, 2024
- 3 min read
Updated: Jan 6
Geschäftsprozesse strukturiert dokumentieren, steuern und kontinuierlich verbessern
Ein Prozesshaus soll Orientierung geben, Verantwortung klären und Abläufe steuerbar machen. In vielen Unternehmen bleibt es jedoch bei gut gemeinter Dokumentation: Prozesse werden beschrieben, aber nicht aktiv genutzt, nicht überprüft und nicht verbessert.
Mit Jira und Confluence lässt sich ein Prozesshaus aufbauen, das nicht nur dokumentiert, sondern tatsächlich wirkt. Der entscheidende Punkt ist die Kombination aus sauber strukturierter Prozessbeschreibung in Confluence und operativer Steuerung in Jira. Prozesse werden dadurch nachvollziehbar, ausführbar und messbar.
Dieser Beitrag zeigt ein praxiserprobtes Vorgehen, wie ein professionelles Prozesshaus im Atlassian-Ökosystem aufgebaut und dauerhaft betrieben werden kann.
Was ein Prozesshaus leisten muss
Ein Prozesshaus ist mehr als eine Sammlung von Wiki-Seiten. Es beschreibt die gesamte Prozesslandschaft eines Unternehmens und beantwortet dabei klare Fragen:
Welche Prozesse gibt es?
Wie sind sie strukturiert und voneinander abgegrenzt?
Wer ist verantwortlich?
Welche Version ist aktuell gültig?
Wie wird der Prozess ausgeführt?
Wie wird Qualität sichergestellt?
Wie werden Änderungen gesteuert?
Üblich ist die Gliederung in drei Ebenen:
Managementprozesse Strategie, Steuerung, Qualitätsmanagement, Compliance, Controlling
Kernprozesse Wertschöpfende Abläufe wie Vertrieb, Projektabwicklung, Leistungserbringung
Unterstützende Prozesse IT, HR, Einkauf, Finance, interne Services
Ein funktionierendes Prozesshaus schafft Transparenz, reduziert Reibungsverluste und bildet die Grundlage für Skalierung, Qualitätssicherung und kontinuierliche Verbesserung.

Warum Jira und Confluence dafür besonders geeignet sind
Confluence und Jira ergänzen sich ideal.
Confluence ist das System für:
verständliche Prozessbeschreibungen
klare Struktur und Navigation
Versionierung und Nachvollziehbarkeit
zentrale Ablage von Vorlagen, Regeln und Wissen
Jira ist das System für:
Ausführung und Steuerung
Verantwortlichkeiten und Fristen
Freigabeprozesse
Nachweise, Historie und Auswertungen
Automatisierung und Reporting
Der zentrale Gedanke lautet: Der Prozess wird in Confluence erklärt – und in Jira gelebt.
Zielbild: Ein nutzbares digitales Prozesshaus
Ein professionelles Prozesshaus erfüllt vier Kriterien:
1. Orientierung Eine zentrale Prozesslandkarte zeigt auf einen Blick, welche Prozesse existieren, wie sie eingeordnet sind und wer verantwortlich ist.
2. Einheitlichkeit Alle Prozesse folgen derselben Struktur und denselben Regeln. Inhalte sind vergleichbar und wartbar.
3. Governance Freigaben, Versionen, Reviews und Verantwortlichkeiten sind klar geregelt.
4. Operative Anbindung Prozessänderungen, Abweichungen und Verbesserungen werden über Jira gesteuert.
Aufbau der Prozesslandkarte in Confluence
Confluence-Struktur
Bewährt hat sich ein eigener Space für das Prozesshaus, getrennt von Team- oder Projektspaces. Dort liegen ausschließlich freigegebene Prozesse und verbindliche Standards.
Optional ergänzend:
Space für Qualitätsmanagement und Compliance
Space für Vorlagen
Fachbereichs-Spaces für Arbeitswissen
Einstieg über eine Prozesslandkarte
Die Startseite des Prozesshauses sollte klar und einfach sein:
kurze Erklärung des Zwecks
Navigation nach Prozesskategorien
Such- und Filtermöglichkeiten
Übersicht der Prozesse mit Status, Owner und Version
Die Pflege erfolgt nicht manuell, sondern über strukturierte Metadaten.
Metadaten statt Freitext
Jede Prozessseite enthält definierte Eigenschaften:
Prozess-ID
Kategorie
Prozess-Owner
Status
Version
Review-Datum
Über diese Metadaten lassen sich automatische Übersichten erzeugen:
alle gültigen Prozesse
alle Prozesse mit fälligem Review
alle Prozesse eines Bereichs
Die Prozessseite: Klar, einheitlich, steuerbar
Eine gute Prozessseite ist kein Textdokument, sondern ein Arbeitsinstrument.
Kopfbereich
Prozess-ID und Name
Kategorie und Geltungsbereich
Verantwortliche Rolle
Status und Version
Zweck und Ergebnis
Warum gibt es den Prozess?
Was ist das erwartete Ergebnis?
Auslöser und Input
Wann startet der Prozess?
Welche Informationen werden benötigt?
Rollen und Verantwortlichkeiten
klare Rollenzuordnung (z. B. RACI)
Prozessablauf
strukturierte Schritte
klare Übergabepunkte
optional Visualisierung (z. B. BPMN)
Regeln und Qualitätskriterien
Pflichtprüfungen
Definition of Done
relevante Richtlinien
Systemunterstützung
beteiligte Jira-Projekte
relevante Workflows
Pflichtfelder und Automatisierungen
Kennzahlen
Durchlaufzeiten
Fehlerquoten
Abweichungen
Änderungshistorie
nachvollziehbar dokumentiert
Jira als Steuerungsinstrument für Prozesse
Prozessänderungen strukturiert umsetzen
Änderungen an Prozessen werden nicht direkt in Confluence „editiert“, sondern über Jira gesteuert.
Typische Vorgänge:
Prozessänderung
Abweichung
Verbesserungsvorschlag
Maßnahme
Auditfeststellung
Ein klarer Workflow stellt sicher:
Prüfung durch den Prozess-Owner
fachliches Review
formale Freigabe
Umsetzung
Wirksamkeitskontrolle
Jira Service Management für den Alltag
Rückfragen, Abweichungen oder Verbesserungsideen entstehen im Tagesgeschäft.
Jira Service Management ermöglicht:
strukturierte Erfassung über ein Portal
gezielte Weiterleitung
Priorisierung
Nachverfolgung
Wissensverknüpfung mit Confluence
So wird das Prozesshaus Teil des Arbeitsalltags – nicht nur eine Referenz.
Saubere Kopplung zwischen Confluence und Jira
Ein belastbares Setup verbindet beide Systeme konsequent:
Von Confluence nach Jira
Links zu relevanten Jira-Projekten
Anzeige offener Änderungen oder Abweichungen direkt auf der Prozessseite
Von Jira nach Confluence
Referenz auf die betroffene Prozessseite
Pflichtprüfung, ob die Dokumentation angepasst wurde
Transparenz
Dashboards zu Änderungen, Durchlaufzeiten, Reviews
Übersichten zu offenen Maßnahmen und Abweichungen
Governance: Regeln, die funktionieren
Ein Prozesshaus braucht klare, einfache Regeln:
Jede Prozessseite hat einen Owner
Änderungen laufen immer über Jira
Prozesse werden regelmäßig überprüft
Bearbeitungsrechte sind begrenzt
Kommunikation bei Änderungen ist verbindlich geregelt
Ohne Governance wird aus dem Prozesshaus schnell ein unstrukturiertes Wiki.
Typische Fehler – und wie man sie vermeidet
Zu viele Prozesse auf einmal
Keine klaren Verantwortlichkeiten
Uneinheitliche Dokumentation
Änderungen ohne Steuerung
Keine Verbindung zum Tagesgeschäft
Ein schrittweises Vorgehen mit Fokus auf relevante Prozesse ist deutlich erfolgreicher.
Fazit
Ein Prozesshaus ist dann wirksam, wenn es nicht nur beschreibt, sondern steuert. Confluence schafft Klarheit und Struktur, Jira sorgt für Umsetzung, Kontrolle und Verbesserung. Gemeinsam entsteht ein System, das Prozesse sichtbar macht, Verantwortung klärt und kontinuierliche Weiterentwicklung ermöglicht.
Richtig umgesetzt wird das Prozesshaus kein statisches Nachschlagewerk, sondern ein zentrales Steuerungsinstrument für Organisation, Qualität und Zusammenarbeit.



